Wände richtig spachteln – Was bedeuten die Qualitätsstufen?

Wände und Decken aus Rigips- oder Gipskartonplatten spachtelt man, um Unebenheiten zu nivellieren. So kann man beispielsweise Fugen und Löcher schließen. Dies ist als Vorbereitung wichtig, um eine einheitliche Oberfläche zu schaffen, auf der man weiterarbeiten kann.

 

Dabei kommt es bei Spachtelarbeiten auf deren Qualitätsstufen an. Jene werden mit den Güteklassen Q1 bis Q4 abgekürzt. Was es mit jenen auf sich hat und wie Sie Wände richtig spachteln, verraten wir Ihnen nun:

Warum sollte ich meine Wände spachteln?

Wohnräume kann man mit Gipskartonplatten gestalten. Somit lassen sich Wände schnell aufstellen, Räume umstrukturieren oder das Mauerwerk verkleiden.

 

Wenn man Wände spachtelt, können Stoßfugen, Unebenheiten sowie Löcher und Schrauben verborgen werden. Somit wird das Spachteln zur idealen Vorbereitung, bevor man eine Wand fließt oder streicht.

 

Die benötigte Qualitätsstufe hängt davon ab, welches Oberflächen-Finish der Raum erhalten soll. Beim Fließen eines Raumes genügt es, Fugen und Löcher zu verspachtelt. Die Fliesen samt Kleber nivellieren die Wand und lassen Unebenheiten verschwinden. Will man den Raum allerdings Tapezieren, sollten im Vorfeld alle Unebenheiten ausgeglichen werden. Somit lassen sich Risse und Flecken in der Tapete vermeiden.

Q1 oder Q4? - Die Bedeutung der Qualitätsstufen

Die rechtsverbindliche Definition der Qualitätsstufen beim Spachteln wird über die DIN-Norm 18363 festgelegt. Dies hat zur Folge, dass ein Handwerker seine Arbeit nach den gültigen einheitlichen Maßstäben verrichten muss, wenn er Ihre Wand spachtelt.

 

Im Gegensatz zu nicht genau definierten Begriffen wie tapezier-, streich- oder malerfertig haben Sie bei einer Angabe der Güteklasse eine rechtsverbindliche Norm.

 

Eine exakte DIN-Definition erhalten Sie beim Lesen der DIN 18363. Wir geben Ihnen nun einen Überblick zur ersten Orientierung:

Q1 - Grundverspachtelung

Die Qualitätsstufe Q1 bedeutet, dass Stoßfugen und Befestigungsmittel wie beispielsweise Schrauben mit einer Spachtelmasse gefüllt werden. Zudem wird überstehende Spachtelmasse entfernt. An die entstehende Oberfläche werden optisch keinerlei Anforderungen gestellt. Q1 nutzt man in der Regel, um die Fassade im Anschluss mit Platten, Fließen oder einem dickschichtigen Putz mit einer Körnung über zwei Millimetern zu belegen.

Q2 - Standardverspachtelung

Die Standardverspachtelung wird bei Vertragsabschlüssen ohne Angabe der Qualitätsstufe als Norm genommen. Sie beinhaltet eine Grundverspachtelung samt Nachspachteln der Stoßfugenbereiche. Auch hier wird die überstehende Spachtelmasse entfernt. Nicht inkludiert ist das Angleichen der Plattenfläche an die Fugenbereiche.

 

Q2 eignet sich, wenn man anschließend einen Oberputz mit einer Körnung vornehmen möchte, welche mehr als einen Millimeter bei geglätteter Oberfläche hat. Auch bei mittel oder grob strukturierten Wandbekleidungen wie beispielsweise Raufaser ist Q2 eine gute Vorbereitung. Dies gilt auch bei einer anschließenden gefüllten Beschichtungen, welche mit einer groben Strukturrolle aufgetragen wird.

 

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass bei seitlich einfallendem Licht Abzeichnungen nicht auszuschließen sind.

Q3 - hochwertigere Verspachtelung

Haben Sie höhere optische Anforderungen? Dann sollten Sie Q3 oder Q4 in Betracht ziehen. Die Qualitätsstufe 3 beinhaltet zusätzlich zu der Standardverspachtelung ein scharfes Abziehen der Plattenfläche.

 

Auf diese Weise werden Unebenheiten und Abzeichnungen reduziert. Allerdings können sie bei Streiflicht, also schräg einfallendem Licht, noch immer auftauchen.

 

Q3 eignet sich als Untergrund für dekorative Oberputze mit einer Körnung von mehr als einem Millimeter. Zudem bietet sich diese Qualitätsstufe für eine fein strukturierte Wandbekleidung oder -matte an. Für strukturierte Beschichtungen hingegen ist Q3 nicht ausreichend.

Q4 - die Creme de la Creme

Q4 bezeichnet die höchste Qualitätsstufe. Sie beinhaltet alle Arbeitsschritte von Q1 bis Q3. Überdies wird die Gipsoberfläche vollständig mit einer Schicht überzogen, die mehr als einen Millimeter dick ist. Auf diese Weise wird die Oberfläche so einheitlich wie möglich gestaltet.

 

Spachtelarbeiten in dieser Qualität sind als Untergrund für fein strukturierte Wandbekleidung mit Glanz geeignet. Ebenfalls für Vinyl- oder Metalltapeten bietet sich diese Vorbereitung an. Zudem ist Q4 für Beschichtungen und Anstriche mit einem bis zu mittleren Glanz nach DIN EN 13300 sowie hochwertige Glätte-Techniken ideal.

 

Bei dem höchsten Qualitätsstandard können allerdings ebenfalls Oberflächeneffekte durch schräg einfallendes Streiflicht sichtbar werden.

 

Wände richtig spachteln - so gehen Sie vor

Vor dem Spachteln der Wände ist es wichtig, dass die Gipsplatten bereits befestigt sind, ist dies nicht der Fall, kann die Spachtelmasse aufgrund von Bewegung gelöst werden.

Benötigte Werkzeuge, um Wände zu spachtelt

Beim Spachteln benötigt man nicht viel Werkzeug:

  großes Gefäß zum Mischen

  Spachtelmasse

  kleine Fugen- oder Glättkelle

  Flächenspachtel

  Cuttermesser oder Kantenhobel

  Schwamm oder Pinsel

  Abdeckfolien

  Arbeitskleidung

 

Tipp: Bereits während des Arbeitsvorganges bietet es sich an, den Raum mit den Lichtquellen zu erhellen, welche im Anschluss genutzt werden. Auf diese Weise kann man unebene Stellen leichter feststellen sowie das Vorher und nachher besser beurteilen.

Material und Raum vorbereiten

Vor dem Spachteln sollte man die betreffenden Stellen von Baustaub reinigen. Hierzu bietet sich ein feuchter Schwamm oder Pinsel an. Während diese trocknen, kann man die Spachtelmasse anrühren. Hierbei ist es für Einsteiger empfehlenswert, mit einer kleinen Menge zu starten.

 

Zuerst gibt man die benötigte Menge an Wasser in das Mischgefäß. Darauf folgt die trockene Spachtelmasse. Nach der vorgegebenen Reifezeit kann man mit dem Anrühren beginnen.  Dafür eignet sich die Kelle oder wahlweise ein sauberer Stab. Wichtig ist es, im Anschluss keine Trockenmasse mehr einzurühren. Jene kann Klumpen bilden.

Q1: Vorspachteln

Der erste Spachteldurchgang wird als Vorspachteln bezeichnet. Dabei werden Fugen aufgefüllt. Hierzu nimmt man eine kleine Menge der Spachtelmasse auf die Kelle. Jene zieht man quer zur Fuge in eine Richtung. Dabei halten Sie die Kelle leicht schräg, um nicht versehentlich in eine Querfuge zu gelangen.

 

Nach dem Füllen der Fuge kann überschüssige Spachtelmasse mit der Kelle abgetragen werden. Je mehr Sie dabei auf einmal abziehen, desto weniger Ansätze entstehen und desto glatter bleibt die Oberfläche. Falls ein Fugengitterband oder Fugendeckstreifen vorgesehen sind, sollten diese während des Arbeitsgangs in die Fuge eingebracht werden.

 

Wenn alle Fugen gefüllt und abgezogen sind, muss die Spachtelmasse vollständig trocknen. Nach dieser Grundverspachtelung können zwischen der Plattenoberfläche und dem Fugenbereich Stufen zurückbleiben.

Q2: Nachspachteln

Nun geht es ans Q2 spachteln. Dabei wird die Grundverspachtelung nachgespachtelt. Zudem wird überschüssiges Material durch Schleifen abgetragen. Auf diese Weise wird ein stufenfreier Übergang zwischen den Fugen und Platten geschaffen. Nach diesem Schritt dürfen keine Bearbeitungsabdrücke der Werkzeuge mehr sichtbar sein.

Q3: Poren schließen

Um eine Q3 Qualitätsstufe zu erreichen, muss die Ebenheit die Ansprüche des Auftraggebers erfüllen. Zudem werden die Poren des Gipskartons durch scharfes Abziehen der Spachtelmasse geschlossen. Dies setzen Sie um, indem Sie etwas Spachtelmasse auftragen und die Masse anschließend mit der aufgedrückten Glättkelle abziehen.

Q4: Vollständig spachteln

Die höchste Güteklasse erfordert eine dünne Spachtelmasse von mehr als einem Millimeter auf der kompletten Oberfläche. Jener Arbeitsschritt ermöglicht eine Fläche mit der höchsten Ebenheit. Somit werden Unebenheiten durch Lichteinwirkungen minimiert.

 

Schlusswort

In diesem Blogbeitrag haben wir uns damit beschäftigt, was Spachtelarbeiten sind und wie sie zum Ausgleich von Unebenheiten verwendet werden können. Spachtelarbeiten sind wichtig, denn ohne sie haben Sie möglicherweise keine einheitliche Oberfläche, auf der Sie Ihr Projekt fortsetzen können. Wenn Sie Anmerkungen oder Fragen rund um's Spachteln und zur Spachtelmasse haben, können Sie sie gerne im Kommentarbereich unten hinterlassen!

Das Titelbild stammt von jcomp auf Freepik

 

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